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SF Gmund: Prominenter Besuch als Jahreshöhepunkt

Artikel vom 08.12.2020 im Miesbacher Merkur

Trotz Corona gibt es reichlich Besuch in Gmund. Der niederländische Erstligist kommt zum Trainieren und Spielen. Der Höhepunkt des Jahres. 

Gmund – Größer könnten die sportlichen Unterschiede zwischen den SF Gmund-Dürnbach und Feyenoord Rotterdam fast nicht sein. 2017 hielten die Sportfreunde letztmals die Klasse und blieben noch ein Jahr in der A-Klasse, ehe sie in die C-Klasse durchgereicht wurden, während Rotterdam die Meisterschaft in der Eredivisie, der höchsten Spielklasse in den Niederlanden, feiert. Was die beiden Vereine dennoch verbindet? Ein Trainingslager des dreimaligen Europapokalsiegers Rotterdam am Tegernsee.

In den vergangenen Jahren lief es sportlich nicht besonders gut für die Gmunder. Nach dem Abstieg aus der A-Klasse 2018 folgte erneut der direkte Abstieg in die C-Klasse. Dort überwintern die Sportfreunde in der in die Länge gezogenen Saison aktuell auf Platz zwei – einem Aufstiegsplatz. Für Trainer Stefan Rixfehren ist der Aufstieg ein Muss. „Etwas anderes als den Aufstieg aus der C-Klasse darf man überhaupt nicht in den Mund nehmen“, sagt der Coach, der das Team im Sommer 2018 in der B-Klasse übernommen hatte.

Rixfehren: Den Aufstieg haben wir sicher

„Es ist schon so etwas wie ein Neuanfang in Gmund.“ Zwar ist der Stamm der Mannschaft immer noch ein ähnlicher wie noch vor zwei Jahren, aber Rixfehren kann mittlerweile statt ursprünglich acht Spieler auf einen Kader von etwa 18 Kickern zurückgreifen.

„Wir haben zwar auch jetzt wieder einige Verletzte, aber trotzdem dürfte zum Aufstieg hin nichts fehlen“, ist er optimistisch. Rein rechnerisch ist dieser zwar noch nicht gesichert. Dennoch blicken die Gmunder auf einen relativ komfortablen Vorsprung auf den drittplatzierten SV Arget II blicken und haben sogar noch realistische Chancen, dem TSV Schliersee II bei sechs Punkten Rückstand, aber zwei Spielen weniger die Meisterschaft streitig zu machen.

Keine Planungssicherheit wegen Corona

Ein zweiter Weg, den Aufstieg in die B-Klasse zu packen, ist der Ligapokal. Dort haben die Sportfreunde in ihrer Dreiergruppe zwar erst ein Spiel absolviert, dieses gegen die Zweite Mannschaft des TSV Irschenberg allerdings mit 3:2 gewonnen. Die größte Hürde wird allerdings die neu angemeldete Dritte Mannschaft des TuS Holzkirchen sein. „Der Ligapokal ist uns nicht ganz so wichtig, wir fokussieren uns auf die Liga“, sagt Rixfehren. „Wir warten jetzt ab, wie lange die Pause dauert und dann greifen wir noch einmal an.“ So kann das Team um Trainer Rixfehren zumindest einigermaßen sicher mit dem Aufstieg rechnen.

Planungssicherheit gibt es während der Corona-Pandemie ohnehin kaum, aber einer besonderen Herausforderung sahen sich die Gmunder im August gegenüberstehen. Denn mit einer Vorlaufzeit von nur rund einer Woche stellten die Gmunder ihren Platz Feyenoord Rotterdam für ein Trainingscamp zur Verfügung. Weil der 15-fache niederländische Meister auch ziemlich spontan am Helden Cup in Kufstein teilnahm und dafür im Hotel Überfahrt in Rottach-Egern unterkam, benötigte man einen Trainingsplatz am See. Und weil in Rottach, wie berichtet, bereits die TSG Hoffenheim ihre Einheiten absolvierte und der FC Bayern anklopfte, musste eine Alternative her. Aufgrund der Corona-Situation und der Kurzfristigkeit verzichteten die Gmunder auf eine frühzeitige Bekanntgabe des prominenten Besuchs.

Rotterdam und Gmund: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

„Wir haben das dann intern und mit dem Bürgermeister besprochen“, erzählt Matthias Pfeil, Vorsitzender der SF Gmund. „Innerhalb weniger Tage haben wir dann den Platz mit Unterstützung eines externen Greenkeepers auf einen internationalen Standard gebracht.“

Dabei hat den Gmundern in die Karten gespielt, dass in den Monaten davor kein Spielbetrieb stattgefunden hat und der Platz damit ohnehin schon in einem guten Zustand war. „Bei normalem Spielbetrieb wäre ich mir nicht sicher gewesen, ob wir das so schnell hinbekommen hätten“, sagt Pfeil, der die Mannschaft von Feyenoord Rotterdam gerne wieder empfangen würde. „Die Sportagentur und der Verein waren zufrieden, und wir haben für nächstes Jahr schon erste Gespräche geführt.“

Und so könnte im kommenden Jahr der sportliche Unterschied zwischen Gmund und Rotterdam zwar immer noch riesig sein, aber bei einem Aufstieg der Sportfreunde immerhin schon eine Liga kleiner.

Michael Eham – Miesbacher Merkur vom 08.12.2020