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Nur hinfahren ist nicht das Ziel

Moritz Baer (20) steht als erster Springer aus dem Oberland im Aufgebot für die Vier-Schanzen-Tournee

Gmund/Oberstdorf – „Diese Region ist skisprungtechnisch ein schwarzes Loch auf der Landkarte“, sagte einst der ehemalige, inzwischen verstorbene Bundestrainer Reinhard Hess über das Oberland. Was er damals noch nicht wissen konnte: Es gibt inzwischen einen, der die Fahnen für den Landkreis Miesbach hochhält. Moritz Baer von den Sportfreunden Gmund-Dürnbach steht im Aufgebot des Deutschen Skiverbandes (DSV) für die 66. Ausgabe der Vier-Schanzen-Tournee. Als erster Oberland-Springer überhaupt.

Für den 20-Jährigen ist es der Höhepunkt seiner noch jungen Karriere – der erste Auftritt im Weltcup. Rund 40 000 Zuschauer werden zu den beiden Springen auf deutschem Boden am morgigen Samstag in Oberstdorf und an Neujahr in Garmisch-Partenkirchen erwartet. Sogar für die Qualifikation sind bereits mehr als 15 000 Tickets verkauft. Für Baer eine ungewohnte Kulisse. „Das meiste waren bisher etwa 6000 Zuschauer.“ Ob das einen Unterschied macht? „Das sehe ich dann“, sagt Baer und lacht. „Eigentlich sollte es keinen machen.“ Genießen und positiv denken lautet die Devise. Zumal die überwiegend deutschen Zuschauer ihrem Landsmann wie gewohnt lautstark anfeuern werden.

Dass er bei der prestigeträchtigsten Veranstaltung im Skisprungzirkus antreten darf, dafür hat Baer mit seinen bisherigen Auftritten im Sommer (wir berichteten) und im Continental Cup – 14., 13., 50. und 22. – gesorgt. Solide mit Luft nach oben, so Baers Einschätzung. Trotzdem: Völlig unerwartet kam die Nominierung nicht – gefreut hat er sich natürlich trotzdem. „Nur hinfahren ist aber nicht das Ziel, ich will die Quali überstehen.“

Die findet heute, Freitag, um 16.30 Uhr statt. Die 50 Besten bestreiten dann den Bewerb am morgigen Samstag. „Wenn er normal springt, ist die Quali machbar“, sagt Bernhard Metzler, Baers Trainer im B-Kader. „Das Potenzial hat er.“ Vor allem was Athletik und Fluggefühl angeht. Das Defizit: Die Anfahrtsgeschwindigkeit auf der Schanze. „Das könnte der Knackpunkt werden“, meint Metzler. Denn in der Qualifikation hängt alles von einem einzigen Sprung ab. Für Baer spricht, dass er die Gegebenheiten in Oberstdorf kennt. „Eine schöne Schanze, die mag ich.“ Entsprechend ist die Qualifikation auch das Minimalziel, Punkte, also ein Platz unter den Top-30, wären „weltklasse“.

Nach dem Springen in Garmisch-Partenkirchen dürfte die Tournee für Baer jedoch beendet sein – eine nationale Gruppe, also zusätzliche Startplätze für die ausrichtende Nation, stehen dem DSV auf österreichischem Boden in Innsbruck und Bischofshofen nicht mehr zur Verfügung. Baer müsste demnach unter den besten Deutschen landen. „Das ist dann doch unrealistisch.“

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